Pfeilgiftfrösche
Pfeilgiftfrösche sind kleine, meist farbenfrohe Amphibien in einer schier atemberaubenden Mannigfaltigkeit, die selten größer als 60mm werden. Sie leben größtenteils in den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Dort kommen sie vom Tiefland bis in Höhen von über 1000m vor. Die leuchtenden Farben der Frösche sind eine Warnung für jeden potentiellen Fressfeind: „Achtung giftig“. Es gibt daher nur wenige Spinnen- und Schlangenarten, für die die Frösche als Nahrung in Betracht kommen. Eventuell stellen ihnen auch Landkrabben nach. Die Anderen, die diese deutliche Warnung missachten, bezahlen ihren Fressversuch mit dem Leben oder machen eine so bittere Erfahrung, daß sie diese nie vergessen..
Der lateinische Begriff für Pfeilgiftfrösche lautet „Dendrobatiden“. Dieser Begriff, der ursprünglich aus dem griechischen stammt, setzt sich aus den beiden Worten „Dendro-Baum“ und „Bates-Steiger“ zusammen. Zu der Superfamilie der Dendrobatoidea (aufgeteilt in die beiden Familien Aromobatidae und Dendrobatidae) gehören neben der Gattung Dendrobates auch Allobates, Anomaloglossus, Aromobates, Mannophryne, Rheobates, Adelphobates, Ameerga, Colostethus, Epipedobates, Hyloxalus, Minyobates, Oophaga, Phyllobates (Blattsteiger), Ranitomeya und Silverstoneia. In der Systematik unserer Pfleglinge hat es immer wieder Veränderungen gegeben, vermutlich ist das auch noch nicht der letzte Stand. Moderne Methoden wie genetische Analysen, Untersuchungen der Giftzusammensetzung und Auswertungen von Sonogrammen haben viel Licht ins Dunkel gebracht. Auch Kreuzungsversuche können zeigen wie nahe die Arten miteinander verwandt sind.
Die Indios nutzen seit Jahrhunderten das Gift dieser Frösche, um damit die Spitzen ihrer Blasrohrpfeile zu bestreichen. Für die Gewinnung des giftigen Hauttoxins, reicht es einfach aus, den Frosch zu fangen und die Pfeilspitze über dessen Rücken zu streichen (Phyllobates terribilis) oder den Frosch aufzuspießen und über Feuer zu halten (Phyllobates aurotaenia und Phyllobates bicolor). Durch die hier für die Amphibien bestehende Gefahrensituation wird das Gift über die Hautdrüsen freigesetzt.
Einige Arten haben mehrere Farbvarianten hervorgebracht. Ob sich in diesen Fällen die jeweilige Art im Begriff ist aufzuspalten oder schon Unterarten entstanden, ist Sache von Taxonomen, daher will ich mich auf dieses Thema nicht näher einlassen. Von den 170 bekannten Arten der Pfeilgiftfrösche verdienen lediglich 3 diesen Trivialnamen, denn nur sie sind so giftig, dass sie auch dem Menschen gefährlich werden können und nur ihr Gift wird zum präparieren der Pfeile benutzt. Es handelt sich hier um: Ø Phyllobates terribilis, Ø Phyllobates bicolor und Ø Phyllobates aurotaenia.Phyllobates terribilis (zu deutsch „der Schreckliche“) könnte mit seinem Gift bis zu 20.000 Mäusen oder sogar 10 Menschen töten. Das Gift muss aber in die Blutbahn gelangen, um gefährlich werden zu können. Allerdings haben viele der kleinen Amphibien lediglich eine Giftkonzentration, dass sie zwar für kleinere Tiere gefährlich ist, für den Menschen aber nicht lebensgefährlich. Jedoch reicht sie auch aus, um beim Menschen, Übelkeit oder Fieber hervorzurufen. Man sollte also bei einem Besuch im Lebensraum dieser kleinen Frösche, sein Glück nicht herausfordern.
In „Gefangenschaft“ (im Terrarium) verlieren die Tiere ihre Giftigkeit. Der Grund liegt einfach darin, dass das Futter ein anderes ist, als in freier Natur. Pfeilgiftfrösche ernähren sich in ihrer natürlichen Umgebung von Ameisen, Termiten, Springschwänzen und anderen Kleinstlebewesen. Aus dieser Nahrung beziehen sie auch die Stoffe, die benötigt werden, um ihr giftiges Hautsekret zu produzieren. Im Terrarium werden sie hauptsächlich mit einer flugunfähigen Variante der großen (Drosophila hydei) und der kleinen (Drosophila melanogaster) Essigfliege gefüttert. Außerdem stehen verschiedene Springschwanzarten, Wiesenplankton, Grillen und Heimchen auf ihrem Speiseplan. Inzwischen ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die in „Gefangenschaft“ gezüchteten Tiere kaum noch Gift produzieren. Man kann sie also ohne ernsthaftes Risiko halten und pflegen.
Das bemerkenswerteste jedoch ist, daß sie, wie einige andere Froschfamilien auch, dazu übergegangen sind, Brutpflege zu betreiben. Das geht vom bewässern des Geleges, über den Larventransport bis zum gezielten füttern der separierten Kaulquappen bei einigen Arten.
Zu dem teilweise doch recht hohen Preis für die Frösche kann man durchaus geteilter Meinung sein. Einerseits wird ein Frosch für 10€ nicht geschmuggelt, da das Risiko in keinem Verhältnis zum Gewinn steht, außerdem wird man einen Frosch für 300€ immer das beste Futter geben, da es im Todesfalle nicht nur ein ideeller sondern auch ein enormer finanzieller Verlust wäre. Ein hoher Preis schreckt ohne Zweifel vor unüberlegten Käufen ab. Andererseits wird aber für einen Froschhalter mit schmalem Portemonnaie so manche Art immer unerreichbar sein, egal wie kompetent er auch sein mag. Auch wird man eine „Rarität” nicht, wie es dieses Mal in Rüsselsheim mehrfach versucht wurde, nur in der kleinen Plastikdose bei 5°C Außentemperatur draußen herumtragen wollen.
Solange ausreichend qualitativ hochwertiges Futter vorhanden ist und den Klima- und Platzansprüchen der Tiere entsprochen wird, sind fast alle Pfeilgiftfrösche gleich gut zu halten. Zu den genauen Haltungsansprüchen unserer kleinen Freunde schauen Sie bitte unter der Rubrik Steckbriefe. Probleme bereitet bei einigen Arten „lediglich“ die Nachzucht.